Ausstieg oder Comeback der Kerntechnik?

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Am 8. Januar 2021 ist das europäische Stromnetz kurz vor dem Blackout gewesen. Wieder einmal. Die Energiewende lässt sich gut verkaufen, bringt allerdings auch ungeahnte Risiken mit sich. Was, wenn der Wind nicht bläst und die Sonne nicht scheint?

Unser Energienetz braucht große Speicher als Überbrückung für die Zeit der Flauten. Diese gibt es bis dato nicht und deswegen ist nach aktuellem Stand 100% Ökostrom nicht realisierbar. Wir brauchen Großkraftwerke, die mit ihren enormen Generatormassen das Netz stabilisieren. Allerdings werden diese in Deutschland durch den Atom- und Kohleausstieg immer weniger. Der Kohleausstieg wurde vom Bund vergangenes Jahr beschlossen und auf 2038 datiert. Der Atomausstieg ist kurz vor dem Finish. Aktuell sind nur noch sechs Atomkraftwerke am Netz, die bis nächstes Jahr außer Betrieb gehen. Die Betreiber werden vom Bund mit satten Entschädigungen besänftigt.

Spätestens nach Fukushima will kein Deutscher mehr ein AKW in der Republik haben. Allerdings betreiben unsere Nachbarländer Belgien und Frankreich teilweise höchst kritische Atomreaktoren direkt an der deutschen Grenze. Falls es zu einem GAU kommen würde, wäre Deutschland ebenso betroffen.

Dabei würde Atomenergie zum Erreichen der Klimaziele einen entscheidenden Beitrag leisten können, denn sie ist CO2 frei. In Deutschland haben wir uns aber für den Ausstieg entschieden, denn die beiden größten Nachteile überwiegen bei uns: Sicherheit + Endlagerfrage.

Trotz der deutschen Ablehnung wird weiter geforscht und gebaut. Gerade China und Russland setzten weiter stark auf die Atomkraft und bauen neue Meiler. Für die zwei großen Challanges der Atomkraft tun sich gerade neue, spannende Tendenzen auf:

SMR-Technologie – Antwort auf die Sicherheitsfrage

Small Modular Reactor sind im wesentlichen kleinen Kernkraftwerke, die eine Leistung im zweistelligen Megawatt Bereich haben sollen und von der Stange gefertigt werden können. Solche kleinen Reaktoren sind einfacher händelbar, die Kosten um ein Vielfaches geringer und im allgemeinen betriebssicherer. Sie können auch in Reihe geschaltet werden und somit größere Kraftwerke ersetzten. Im Einzelbetrieb wäre eine Stromversorgung entlegener Gebiete denkbar. Zur Zeit gibt es viele laufende Projekte.

Hier eine kurze Erklärung:

Dual Fluid Technologie – Antwort auf die Endlagerung

Die dual Fluid Technologie basiert auf dem Patent von fünf deutschen Wissenschaftlern. Sie haben das Unternehmen Dual Fluid hervorgebracht und propagieren, dass sie ihre Technologie bis 2038 in Serienproduktion bringen wollen. Im dual Fluid Reaktor kann der aktuelle Atommüll teilweise als „Brennstoff“ verwertet werden. Gleichzeit reguliert sich der Reaktor aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften selbst, was auch das Sicherheitsrisiko minimiert.

Hier eine kurze Erklärung:

Was bleibt jetzt?

Der SMR Reaktor wird sicherlich kommen, nur höchstwahrscheinlich nicht in Deutschland. Der dual Fluid Reaktor ist ein spannendes Konzept. Ungewiss ist aber, ob die Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann. Denn es existiert ein solcher Reaktortyp bislang nicht und im Bau müssen sich die Materialien und Fertigung zunächst einmal behaupten. Da sich Deutschland allerdings wohl kaum bereit stellen wird diese Technologie aus dem eigenen Land zu fördern bleibt fraglich, ob sich Investoren finden, die die nötige Experimentierfreudigkeit mitbringen.

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Nate

Ich bin Nate, schreibe über Gott und die Welt. Und alles was es dazwischen noch so gibt.

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