Inspirationsblitz

I

Manchmal kommt es vor, dass uns Geschichten treffen wie der Schlag. Du hörst eine Geschichte, vielleicht erlebst du sie sogar selbst und wirst getroffen. Du merkst, dass das Erlebte oder Gehörte mit dir zu tun hat. Es kann dich verändern. Perspektivwechsel erzeugen, dein Umfeld erstrahlen lassen. Blitzartig. Hier kommen drei Inspirationsblitze, die kürzlich durch mich gefahren sind. Achtung, High Voltage!

Die Geschichten

Alles ist ruhig. Ich bin vertieft in meiner Arbeit. Konzentriert. Booooom. Es knallt – Es knallt sehr laut.

Der Knall ist so laut, ich kann noch nicht mal die Richtung identifizieren, aus der er kommt. Die Verwirrung macht mir Angst. Was passiert hier gerade? Shit. Ich schaue hastig umher, suche das Blickfeld aus meinen Fenstern ab. Nichts zu sehen. Ich springe zur Balkontür, öffne sie, trete aus. Ich suche den Himmel ab. Halte Ausschau nach Rauch oder einem Feuerball. Keine Ahnung. Es hat alles in der Wohnung vibriert. Ich dachte vielleicht wäre ein Flugzeug abgestürzt oder ein Tanklaster in die Luft gegangen. – nichts zu sehen. Ich realisiere, dass doch keine akute Gefahr besteht, ordne meine Gedanken.

Nach wenigen Minuten fällt mir ein, dass in der Nähe ein Fliegerstützpunkt ist. Überschallknall.

Ich frage mich: Wo bin ich hier eigentlich?

Szenenwechsel.

Ich gehe an einer vierspurigen Straße entlang. Der Verkehr ist dicht, es ist laut. Die Autos sind schnell. Jeder will auf der grünen Welle surfen. Ich habe den langen Weg mit der Bahn in die Stadt gemacht, um etwas im Baumarkt zu besorgen. Die letzten Meter laufe ich. Auf dem Bürgersteig fühle ich mich sicher.

Es Donnert – Es kliert – Ich zucke zusammen, hebe meinen Arm, um mich zu schützen, gehe etwas in die Beuge.

Der Unfall durchbricht den Verkehr. Die Autos kommen zum Stehen. Dann begreife ich die Situation. Direkt neben mir knallen zwei Autos zusammen. Ich versuche den Hergang zu rekonstruieren. Ich verstehe schnell. Paff.

Ich fühle mich komisch. Ich weiß mir kurz nicht zu helfen. Kurzer Körperteilecheck – alles dran. Es stinkt nach Benzin. Sämtliche Flüssigkeiten laufen aus. Teile sind verteilt. Ich schau mich um, frage, ob meine Hilfe benötigt wird. Puh, niemand verletzt. Ich habe noch alles dran. Die Fahrer steigen auch unverletzt aus.

Kann ich einfach weiter gehen? Ich habe Phantomschmerzen. Ich wähle die Nummer meiner Mama. Sie geht ran. „Es ist mir nichts passiert. Alles ist gut“. Sie weiß nicht, worum es geht. Ich fühle mich erleichtert.

Ich frage mich: Was passiert hier eigentlich?

Szenenwechsel.

Wir sind am Wandern. Die Alpen sind so schön. Überall liegt Schnee. Die Oberfläche wirkt veredelt im weißen Puder. Wir bleiben stehen. Meine Wandergefährtin bindet sich die Schuhe neu. Ich schau mich um. Dann blicke ich kurz auf den Boden, vorbei an meinen Fußspuren. Mein Blick wird von etwas gereizt. Ich sehe ein klitzekleines Funkeln auf dem Boden. Ein innerer Kampf beschäftigt sich mit der Frage, ob ich mich wegen des kleinen Reizes zu Boden neigen sollte, um nachzuschauen. Da die Senkel noch gebunden werden gewinnt die ungemütliche Variante. Ich beuge mich samt Rucksack vor. Das Funkeln nähert sich meinen Augen. Ich grabe im Schnee und traue meinen Augen nicht. Zwischen Matsch und Schnee ziehe ich einen gelbgoldenen Ring raus. Ich kann es kaum fassen, wasche ihn mit meinen Händen rein und halte ein Ehesiegel in der Hand, shish.

Ich fühle mich wie Frodo. Nettes Teil, aber eben nicht meins. Wie belastend. Was soll ich jetzt damit? Wem gehört es und wie bekommt er oder Sie es wieder? Jedenfalls bin jetzt ich der Ringträger.

Ich frage mich: Ist das überhaupt mein Auftrag? Schließlich ist Sauron besiegt, der Schicksaalsberg glüht nicht mehr…

Szenenwechsel.

Ich philosophiere: Ich spinne den Faden zwischen drei verschiedenen Geschehnissen. Zweimal wurde ich laut unterbrochen, einmal hat es geblinkt. Das Leben fragt immer mal wieder nach: Wo bin ich? Was passiert hier? muss ich Handeln?

Ich denke mir so: Harmlose Fragen. Wenn Sie allerdings keine Antwort bekommen haben Sie Potential zum Knallen und finden anders einen Weg mich zur Verantwortung zu ziehen. Ich entschließe mich schneller als der Knall zu sein. Gedanken Ende.

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Nate

Ich bin Nate, schreibe über Gott und die Welt. Und alles was es dazwischen noch so gibt.

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